Gesunde Hufe

Entscheidend für ein langes Pferdeleben!

Kaum ein Körperteil des Pferdes wird so unterschätzt wie der Huf. Hufe sind ein komplexes Organ und das Fundament eines Pferdes.

Die Hufe bilden die Basis für eine Aufeinanderfolge von Knochen und Gelenken, somit auch die Basis für das gesamte Skelett, das vollständige Gewicht und die Bewegung des Pferdes. Eher unbekannt ist aber, dass jeder Huf direkt am gesamten Stoffwechsel beteiligt ist und Einfluss hat auf alle Organe und somit auf das gesamte Wohlbefinden des Pferdes.
Die vier Hufe sind als „zusätzliches Herz“ des Pferdes zu sehen und haben somit großen Einfluss auf die Herzkraft, also die Lebensdauer. Der gesunde Huf unterstützt die lebenswichtigen Körperfunktionen wie z.B. die Entgiftung (Stoffwechsel).

Der Huf steht mit vielen Faktoren wie Haltung, Fütterung und Reitweise in Zusammenhang und muss in diesem Konzept als Gesamtes, und nicht einzeln, vom Therapeuten gesehen werden.

Huferkrankungen (Trauma) wie Rehe, Hufrollenentzündung, Strahlbeinlahmheit, Hufbeindurchbruch, Hufkrebs, stark deformierte Hufe und jegliche Zwanghufe, also zu kleine und enge Hufe, leiden unter Fehlstellungen und mangelnder Durchblutung, dadurch sind die Hufe „taub“ bzw regelrecht gefühllos und nehmen so Einfluss auf die Lebensdauer und Lebensqualität. Daraus folgend entstehen Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, EMS, Sommerekzem, Dämpfigkeit, Kolikanfälligkeit und Vieles mehr.

Zudem sind Muskelverspannungen am ganzen Körper zu finden.
Jede noch so unscheinbar aussehende unnatürliche Hufstellung verursacht Fehlhaltungen des gesamten Körpers und Störungen des Stoffwechsel. Verdauung, Haarkleid, Atmung und Verhalten werden dadurch beeinflusst.

Oft gelten Pferde mit diesen Erkrankungen in der Schulmedizin als austherapiert.

Bei Wiederherstellung einer gesunden Hufform kann das Pferd wieder in die Selbstheilung gebracht werden. Es ist anzustreben, einen Huf so zu bearbeiten, dass er seinem natürlichen Hufmechanismus entspricht. Die gesamte Hornkapsel spreizt sich unter dem Pferdegewicht beim Auffußen und das Blut „saugt“ sich in den Huf. Beim Abfußen zieht sich die Hornkapsel ohne das Gewicht des Pferdes wieder zusammen und drückt das Blut aus der Hornkapsel zurück in die Beine und somit in den Körperkreislauf (bei jedem Schritt etwa ein Schnapsglas voll Blut). Dies allein ist eine enorme Herzunterstützung. Das wurde von der Natur so eingerichtet!

Bei einem beschlagenen Huf oder nicht korrekt ausgeschnittenem Barhuf ist die Spreizung der Hufkapsel und somit der natürliche Blutumtrieb nur noch eingeschränkt bis gar nicht mehr möglich, da der Huf sich weniger bis gar nicht mehr spreizen kann.

Gute Durchblutung spürt man an „handwarmen“ Hufen, besonders deutlich am Kronenrand zu fühlen. Beschlagene Pferde haben deutlich kältere Hufe und damit kann sich das Verletzungsrisiko vergrößern. Auch der Heilungsprozess nach Verletzungen wird durch verminderte Durchblutung verlangsamt, teils sogar verhindert.

Allerdings gilt es für den Pferdehalter zu beachten, dass bei der Wiederherstellung des funktionierenden Hufmechanismus Schmerzen in den Hufen auftreten können.
Wie kommt das?! Ganz einfach: vorher war die Durchblutung im Huf eingeschränkt oder sogar stark eingeschränkt, wenn nun der Huf richtig bearbeitet wird kann die Durchblutung im Huf wieder stattfinden. Dies kann extreme Schmerzen verursachen.
Wir als Mensch kennen das selber vom Winter, wenn wir kalte Füße hatten und diese wieder warm werden, das kann verdammt weh tun!
Je länger die Einschränkung beim Huf bestanden hat, umso länger dauert auch die Heilung! Hierbei gilt zu beachten, dass Schmerzen zum Heilungsprozess gehören! Sie sind sogar notwendig und hilfreich beim Heilungsprozess, da die Schmerzen dem Pferd zeigen wie weit es den Huf belasten kann!

Aber nicht nur Hufeisen, auch unphysiologisch ausgeschnittene Barhufe verursachen einen verminderten Hufmechanismus. Zu wenig Durchblutung der Hufe kann den Gesamtstoffwechsel vermindern, vor allem aber das Hornwachstum verlangsamen und zu schlechter Hornqualität führen.
Wächst die Hornkapsel langsamer, kann das Pferd nicht ausreichend entgiften.
Das verbrauchte Eiweiß aus der Muskulatur und anderen Stoffwechselvorgängen wird zum Teil in Horn umgewandelt. Das Pferd hat sozusagen 4 eigene Wiederaufbereitungsstellen an den Hufen, die es bei der Umwandlung von Stoffwechselendprodukten unterstützen. Bei zu geringem Hornwachstum durch eingeschränkten Hufmechanismus müssen andere Organe wie Leber, Niere, Darm und Haut dies mit übernehmen. Diese Überlastung bleibt nicht ohne Folgen, es können Husten, Darmprobleme und auch Ekzeme der Haut und brüchigem Haar auftreten. Alles sind Stoffwechselerkrankungen und müssen über den Stoffwechsel auch wieder therapiert werden – das geht nicht ohne funktionierende Hufe.

So unterstützt ein korrekt ausgeschnittener und damit funktionierender Huf die Behandlung von Sommerekzem, Dämpfigkeit, Kolik-Empfindlichkeit, Equines Cushing, Strahlfäule, Taktunreinheiten und widersetzlichem Verhalten. Daher ist natürlich die wichtigste Maßnahme, Huferkrankungen direkt positiv zu unterstützen.

Vor allem bei Schmerzen im Bewegungsapparat sollte immer die Situation der Hufe eine große Rolle spielen, denn sie tragen entscheidend dazu bei, ob die Ursache behoben wird oder nicht.

Ein gesunder Barhuf hat wesentliche Funktionen, die das Pferd gesund erhalten.
Dazu zählen:

  • der korrekt funktionierende Huf dient als natürliche Stoßdämpfung beim Auffußen um so die Irritation an den Beingelenken zu vermindern, es beugt Arthrosen, Sehnenschäden und Überbeinen vor
  • der Huf als Entgiftungshilfe und Ausscheidungsorgan von verbrauchtem Eiweiß und anderen überflüssigen Stoffen, bzw. Giften
  • Herzkreislaufunterstützung als Blutpumpe der Gliedmaßen und so Entlastung der Herzkraft
  • überlebenswichtiges Tastorgan zum sicheren Auffußen auf unebenem oder rutschigem Untergrund

All diese Funktionen können durch Hufeisen und nicht artgerecht, individuell ausgeschnittene Hufe stark eingeschränkt sein, was Folgen für die langfristige Gesundheit des Pferdes hat.

Außerdem kommen ohne den Hufmechanismus direkte negative Auswirkungen dazu, da das Pferd über die Hufe den Untergrund nicht mehr fühlt, eine verminderte Durchblutung und in der Folge auch weniger Hornwachstum hat, daher auch keine Stoffwechselunterstützung. Bänder, Sehnen und Gelenke werden so überhaupt erst anfällig für Abrisse, Verletzungen und Verschleiß aller Strukturen.

Nicht zu vergessen ist die Verletzungsgefahr für Tier und Mensch durch Tritte beschlagener Pferde!

Die Zahl der Pferde, die wegen Schmerzen im Bewegungsapparat in jungen Jahren schon als austherapiert gelten, steigt stetig an.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mittlerweile nur noch bei 7,5 Jahren. In freier Wildbahn erreichen Pferde ein Alter von 40-50 Jahren.
Die kurze Lebenserwartung von unseren domestizierten Pferden hängt neben der artgerechten Haltung und Fütterung auch stark mit der Art der Hufpflege zusammen.

Was kann der Pferdehalter selber tun, um Huferkrankungen vorzubeugen und einen erkrankten Huf wieder zum gesunden Barhuf zu verhelfen?
Erschaffen Sie artgerechte Haltung in sinnvollen Offenstallgruppen mit dauerhaftem Heuzugang, naturbelassenes Futter und natürlich viel Bewegung auf verschiedenen Böden. Neben Weide, Sand und groben, runden Kies sollten gepflasterte oder anders gefestigte Bereiche zur Verfügung stehen. Wir können nicht erwarten, dass das Pferd Barhuf auf steinigem Boden trabt, wenn es nur in einer weichen Strohbox steht.
Alles ist eine Sache des Trainings und der Gewöhnung!
Es passiert nur selten, dass man einen schwer erkrankten Huf nicht rehabilitieren kann. Manchmal ist der Huf durch jahrelangen Beschlag und /oder falscher Hufbearbeitung so stark geschädigt, dass eine stärkere Fühligkeit der Hufe auf hartem Untergrund bestehen bleibt.
Um diesen Pferden trotzdem eine komfortable Bewegung zu ermöglichen, kann man für Spaziergänge oder Ausritte Hufschuhe nutzen. Sie sind auch für die gesamte Rehabilitationsphase eine gute Alternative zu Eisen, ohne den Hufmechanismus einzuschränken.
In jedem Fall ist zur Gesunderhaltung und Wiederherstellung der Pferdehufe die aktive Mitarbeit des Pferdehalters gefordert.
Die Bedürfnisse des Pferdes sollten in allen Bereichen artgerecht erfüllt werden.
Manchmal ist dafür ein komplettes Überdenken der bisherigen Handlungsweisen erforderlich. Aber auch kleine Veränderungen haben erstaunlich positive Auswirkungen auf unsere Pferde!

Zur Orientierung hier einige Faktoren zum Grundbedürfnis des Pferdes:

  • sie sind an wechselnde Temperaturen und Klimaschwankungen gewöhnt, also sollten das Scheren und Eindecken von Pferden überdacht werden
  • Pferde brauchen dauerhaft Frischluft und Sonnenlicht
  • ca. 15 km Bewegung am Tag (in freier Wildbahn auch gerne 20-30 km täglich) auf unterschiedlichen Böden
  • natürliche Körperhaltung mit vorwiegend gesenktem Kopf (nicht Tischhöhe!)
  • 24 Stunden freie Futteraufnahme mit saisonbedingter Nahrungsvielfalt (Kräuter, Äste)
  • verzichten Sie ganz auf Futter mit synthetischen Zusatzstoffen (Müsli) und großen Mengen an Getreide; Überdenken Sie chemische Maßnahmen zur Parasitenregulation, nutzen Sie stattdessen gesunde Alternativen
  • natürliche, korrekt ausgeschnittene Barhufpflege durch einen professionell ausgebildeten Hufheilpraktiker/Barhufpfleger mit Erfahrung von Problemhufen
  • keine Verwendung von dauerhaftem Hufschutz; besser vorübergehend Hufschuhe
  • tägliche Hufbäder mit Wasser, verzichten Sie auf Öle und Fette direkt am Huf, diese verhindern die Aufnahme von Feuchtigkeit, die sonst von außen in den Huf ziehen kann und schließen den Huf ab; Feuchtigkeitszufuhr ist für das Horn aber enorm wichtig, um elastisch zu bleiben und nicht brüchig zu werden
  • Sozialkontakt zu seinen Artgenossen und das 24 Stunden in einer Herde
  • 24 Stunden freien Zugang zu gutem Heu; keine Heu- oder Silage

So kann man viel Besserung erzielen, indem die aktuellen Lebensbedingungen des Pferdes so nah wie möglich an die natürlichen notwendigen Bedürfnisse angepasst werden. Denn ein guter Stoffwechsel kann besseres Hufhorn erzeugen und verkürzt die Rehabilitation.

Im Vordergrund sollte immer die Ursache erkannt und behoben werden und nicht die Symptombehandlung, da diese langfristig keinen Erfolg haben wird.

Um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und somit die Genesung des Pferdes zu unterstützen, sind therapeutische Maßnahmen wie z.B. die APM-, Cranio-Sacrale-, Osteopathische-, Aromatherapie usw. Behandlungen absolut empfehlenswert.

 

Fazit:

Jedes Pferd kann Barhuf laufen,

denn die Natur macht Nichts sinnfreies!

Berücksichtige die natürlichen Bedürfnisse deines Pferdes:

Nicht das Laufen ohne Eisen tut weh, sondern das Laufen auf kranken Hufen.